Die Rönsahler Straße in Potsdam-Fahrland

Fahrland? Das hat man in Rönsahl doch schon mal gesehen oder gehört. Seit 1988 besteht eine Partnerschaft der evangelischen Kirchengemeinden Fahrland und Rönsahl. Neben den regelmäßigen gegenseitigen Besuchen bleiben die Gemeinden in Kontakt, tauschen sich aus.
In der 1. Juniwoche stand ein besonderes Ereignis an. Bei dem Besuch der Rönsahler Delegation in Fahrland wurde in der Rönsahler Straße das gleiche Schild enthüllt, welches bereits vor einiger Zeit auf der Hauptstraße in Rönsahl angebracht wurde.
Der Pfarrer der Mirjam-Gemeinde hatte eine passende Rede vorbereitet.
Früher standen überall im Westen Schilder an den Ortseingängen. Darauf wurden die Gottesdienstzeiten für das Dorf angekündigt: 9.30 Heilige Messe, 11 Evangelischer Gottesdienst. Wenn man also als Durchfahrender geistlich auftanken wollte: Dann musste man nur zur passenden Zeit den richtigen Kirchturm finden. Heute sind diese Schilder immer noch weit verbreitet, durch Zusammenlegungen der Kirchengemeinden stimmen oftmals die Uhrzeiten nicht mehr.
Vielleicht auch darum war das Rönsahler Schild abmontiert worden. Die Kirchengemeinde hat dann dieses Schild am Ortseingang des Dorfes mit einem Schild ersetzt, auf dem die Gemeindepartnerschaft zwischen Fahrland und Rönsahl seit 1988 angezeigt wird. Und sie haben uns Fahrländern bei unserem Besuch vergangenes Jahr ein exakt gleiches Schild für Fahrland geschenkt – wir wären von selbst nicht drauf gekommen. Und so stellen wir es hier an der Rönsahler Straße auf, nicht am Ortseingang, sondern mitten in unserem Ort, im Neubaugebiet.
Wir möchten, dass da, wo man teilweise kaum etwas vom Nachbarn weiß, Freundschaft feiern – die über weite Distanzen geht. Da, wo viele öffentliche Flächen mit Fußballstickern beklebt und mit dummen Sprüchen beschmiert werden, stellen wir ein Schild auf – das ist gar nicht verrückt. Wir halten die Deutsche Einheit, die Freundschaft über Grenzen hinweg hoch, und das wofür unsere Kirchtürme stehen: den Hinweis auf den Himmel, der keine Grenzen kennt, den Respekt vor Gott, der alle Menschen liebt.

Viele Gemeindepartnerschaften hören auf, wir aber noch lange nicht. Wir sagen nein, zum Abbruch von Beziehungen, zu der babylonischen Sprachverwirrung aus Stickern, Schmierereien, social media posts. Wir schlagen hier einen Pfosten ein, bezeugen unsere Freundschaft hier und heute und für hoffentlich viele viele Jahre. Wir geben ein Zeichen über die Hoffnung, die in uns ist, dass uns verrückte Menschheit einer zusammenhält und zusammenbringt. In dieser und in der kommenden Welt.
Freut Euch mit uns. Feiert die Freundschaft.
Frohe, gesegnete Tage im Namen der Ev. Mirjam-Gemeinde
Euer Pfarrer C. Dielmann